36 Ministranten aus dem Erdinger Holzland waren diese Woche bei der internationalen Ministranten-Wallfahrt in Rom dabei. Es war eine extrem heiße und anstrengende Woche mit vielen Eindrücken aus der Geschichte Roms, der italienischen Lebensart und des (friedlichen) Miteinanders!
Sonntag, 29. Juli:
Kleiner Spaziergang auf der Via Appia Antica, einer uralten Handelsstraße nach Brindisi (312 v.Chr. angelegt).
Erste Eindrücke von Rom: Es ist heiß. Busse lassen gern auf sich warten. Stehen ist anstrengender als Gehen. In allen Bäumen singen Zikaden. Ordnung und Sauberkeit auf der Straße spielen keine große Rolle.
Ankunft vor der Lateran-Basilika: Flaschen auffüllen am Brunnen, Sicherheitskontrolle, kirchentüchtige Kleidung anlegen, Schatten genießen.
Immer dabei: Unsere zwei Hoizland-Fahnen.
Die Jungs müssen schon erfinderisch sein, wenn sie mit ihren kurzen Hosen in die Kirchen reinwollen. Aber unsere Pilgertücher erweisen sich als äußerst praktische Verlängerungen!
Eröffnungsgottesdienst in der Lateran-Basilika. 5500 Ministranten aus München-Freising sind dabei, man trifft überall bekannte Gesichter. Leider gibt es nur ein einziges Klo, deshalb verbringen Viele die Zeit mit Schlangestehen.
Abendprogramm: Spanische Treppe.Montag, 30. Juli:
Heute legen wir einen Frühstart hin. Also zumindest die meisten, denn um 7 Uhr wollen wir mit Jugendpfarrer Richard Greul einen "privaten" Gottesdienst im Petersdom feiern. Letztendlich verschiebt sich alles um fast eine Stunde, weil ein paar Leute gnadenlos verschlafen. Ja mei.
Auf dem Petersplatz hängen schon die Fahnen der Ministrantenwallfahrt. Da passt unsere doch wunderbar dazu!
Bevor wir in den Dom reindürfen, heißt es mal wieder Schlangestehen. Die Sicherheitskontrollen hier sind recht streng, deshalb verzögert sich unser Plan gleich wieder.
Besondere Ehre: Wir dürfen in einer winzigen Kapelle direkt unterhalb des Papstaltares einen Gottesdienst feiern. Hinter dem Gitter über dem Altar befindet sich das Grab des Apostels Petrus ("der Stein, auf den die Kirche gebaut ist").
Liste aller Päpste im Petersdom
Erdgeschoss. Blick vom Papstaltar hinauf zur Kuppel von Michelangelo (1591 n.Chr. vollendet), dem größten freitragenden Ziegel-Bauwerk der Welt.
250 Treppenstufen, also gute 70 Meter höher auf dem Tambourumgang. Beim Blick auf die Leute unten in der Kirche bekommt man langsam ein Gespür für die Ausmaße dieses Gebäudes!
Blick von oben auf den südlichen Kreuzarm mit dem Altar des Hl. Josef. Durch das engmaschige Gitter leider nur unscharf. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich alle Altarbilder als Mosaike, deswegen sind die Farben so gut erhalten.
Alabasterfenster mit der Heiliggeisttaube über dem Stuhl Petri im westlichen Kreuzarm.
Himmelsgewölbe in der Kuppel, darüber die Laterne. Da wollen wir rauf!
Beim Aufstieg zur Laterne erkennt man immer deutlicher die Wölbung der Kuppel, zwischen deren beider Schalen wir rundrum gehen.
Diese 300 Stufen sind nix für Platz- und Höhenängstliche!
Jedes Mal wieder eine reiche Belohnung für die Strapazen: Blick von der Laterne auf den Petersplatz und die Ewige Stadt!
Auf der Dachterrasse des Petersdoms brauchen wir erstmal eine Verschnaufpause, frisches Wasser und Schatten!
Kulinarischer Tiefpunkt der Wallfahrt. Aber eine interessante Erfahrung!
Als Entschädigung geht's im Anschluss zur besten Eisdiele Roms.
Führung durch die Calixtus-Katakomben an der Via Appia Antica. Weit über 300.000 Grabnischen befinden sich hier unter der Erde, denn Feuerbestattungen kamen für die frühen Christen nicht infrage. Wir genießen die schattige Kühle und den lustigen Singsang des laaaangjährigen Führers.
Abendprogramm: Eis essen auf der Piazza del Popolo...
… und Rom bei Nacht, von der Terrazza del Pincio aus gesehen.
Unglaublich, dort oben waren wir heute früh!
Beim Warten auf den Bus schläft ein Teilnehmer in einem Hauseingang ein. Gut, dass Toni ihn vom Bus aus noch sieht und den ungeduldigen Mahnungen des Busfahrers zum Trotz zurückläuft, um ihn aufzuwecken!
Morgenkreis auf der Hotelterrasse.
Es folgt die übliche Erstürmung eines Stadtbusses.
In der Basilica Santa Maria Maggiore, deren Umriss es in der Nacht zum 5. August 352 n.Chr. auf den Esquilinhügel geschneit hat.
Reich verzierte Kassettendecke.
Nach über zwei Stunden Anstehen in der prallen Sonne (!) öffnen sich endlich die Sicherheitsschleusen zum Petersplatz. Es werden an die 60.000 Ministranten aus aller Welt zur Papstaudienz erwartet, da muss man schon aufpassen, dass ja keiner ein Taschenmesser dabei hat!
Bunte Menschenmassen, soweit das Auge reicht.
Dann fährt das Papamobil rum, aber leider können wir von unserem Platz aus kaum etwas erkennen.
Für uns bleibt die Erinnerung an Wasserspiele...
… einen Papst in weiter Ferne, den man mangels ausreichender Lautsprecheranlagen noch nicht einmal hören kann...
… und ewiges Sitzen und Schwitzen.Gut, dass die Sonne scheint! Da wird das Metroticket wieder trocken :-)
Viele Hoizländer haben unsere Pilgerreise mit einer Spende unterstützt. Dafür bekommen sie jetzt eine Postkarte aus Rom. Für uns ein willkommener Zeitvertreib und eine schöne Aktion, um mit den Leuten in Verbindung zu kommen.
Dann wird wieder gedaddelt...
… Luftballon gespielt...
… Schönheitspflege betrieben...
… und mit Teilnehmern aus anderen Pfarreien geratscht. Am Hut und an den T-Shirts kann man erkennen, wo die Gruppen her sind, so kommt man schnell ins Gespräch. Bis auf wenige Ausnahmen treffen wir lauter offene, freundliche Kollegen und erfahren zum Beispiel, wie es sich als Katholik in Sachsen-Anhalt lebt und dass eine Gruppe aus dem Rheinland mit ihrem Bischof auf dem Campingplatz übernachtet, nicht im Hotel. Respekt!
Langsam verschwindet die Sonne vom Petersplatz, und es wird GERINGFÜGIG erträglicher.
Richard kommt zum Ratschen vorbei und verteilt Schokokekse.Man sucht Abkühlung durch Fächern...
… und Wasserduschen aller Art.
Abendprogramm: Nach der Audienz wollen wir auf den Gianicolo-Hügel gehen und dort bei einem Picknick die Aussicht auf die Stadt genießen, bis es in den öffentlichen Verkehrsmitteln wieder eine Chance auf einen Platz gibt. Leider verlieren wir sehr viel Zeit, weil wir erst einen Teil der Gruppe am Petersplatz verlieren und dann ewig in einem Supermarkt an der Kasse warten müssen. Toni und ich haben unseren Entschluss, mit dem nächsten Bus heimzufahren, noch nicht bekannt gegeben, als dieser Bus bereits um die Ecke biegt. Hektisch werden aufgerissene Wurst-, Käse- und Kekspackungen in die Taschen gestopft, angebissene Früchte verstaut und herumliegende Kleidungsstücke aufgesammelt, während ich dem Bus hinterherrenne. An der Haltestelle wartet bereits eine andere Ministrantengruppe, doch mit viel gutem Willen können wir tatsächlich alle reinquetschen. Umfallen kann da keiner mehr! Allerdings sind wir nicht die Einzigen, die so spät noch unterwegs sind, deshalb stimmen wir für unsere Kollegen an den nächsten Haltestellen ein ironisches "Oaner geht no, oaner geht no rei!" an. Ein älteres Ehepaar, das sich trotz allem zu uns in den hoffnungslos überfüllten Bus zwängt und dabei einen unserer Teilnehmer anrempelt, zettelt einen Streit auf Polnisch mit uns an, zeigt uns den Stinkefinger und gibt uns deutlich zu verstehen, dass ihnen durchaus auch die Hand ausrutschen könnte, wenn wir nicht aufhören zu lachen. Und wenn sie genug Platz hätten, um den Arm zu heben und auszuholen, natürlich. Wir lassen uns nicht einschüchtern, sind aber froh, als die beiden irgendwann schimpfend und fuchtelnd aussteigen.
Mittwoch, 1. August:
Ohne Vorwarnung bekommen wir heute ein paar weitere Einblicke in die italienische Lebensart. Zum Beispiel, als Toni und ich kurz nach 9 Uhr morgens an der Kasse zum Forum Romanum / Kolosseum stehen, ausgerüstet mit den Ausweiskopien aller unserer Ministranten. Dort erfahren wir von einem anderen Gruppenleiter, dass die Papiere jetzt plötzlich doch nicht mehr genügen, um die kostenlosen Kindertickets abzuholen. Die Kinder müssen alle der Reihe nach höchstpersönlich zur Kasse kommen, damit sich die Dame hinter Glas davon überzeugen kann, dass wir nicht bescheißen. Wir trommeln also unsere Truppe zusammen und warten, bis die Ministranten von dem anderen Gruppenleiter durch sind. Dann kommt ein Pfarrer aus Österreich, der für seine komplette Diözese 350 Tickets online reserviert hat. Lustigerweise muss er noch 2 Euro Reservierungsgebühr pro Ticket bezahlen. Und zwar in BAR! Der Mann schwitzt, bleibt allerdings gelassen. Bis er erfährt, dass es nur noch 324 Plätze gibt. Der Rest muss später wieder kommen. Haha.
Als wir an der Reihe sind, erklärt uns die Dame hinter Glas, dass es erst wieder für 12:40 Uhr Karten gibt. Wir beschließen, die antiken Steinbrocken einfach von außen anzuschauen und dann ans Meer zu fahren.
Blick vom Capitolshügel auf das Forum Romanum.
Nicht gerade erfrischend, aber trotzdem eine wohltuende Abwechslung vom Großstadtrummel.
Für einige Ministranten ist es das erste Mal im Meer!
Später fahren wir an den Trevi-Brunnen, damit wir schon mal in den nächsten Rombesuch investieren können: Wer eine Münze ins Wasser wirft, kommt einmal wieder hierher zurück.
Künstler in der Altstadt.
Ob das auch ein Kunstwerk ist?
Das Blind Date mit einer anderen Ministrantengruppe verpassen wir leider, deswegen machen wir die Fragerunde einfach unter uns. Ganz schön lustig!
Gemeinsames Abendessen.Um elf Uhr machen wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle...
… wo wir bis 1 Uhr stehen / sitzen / liegen, bis endlich der erste Nachtbus fährt. Denn nur weil laut Fahrplan alle 30 Minuten ein Bus kommt, heißt das noch lange nicht, dass das tatsächlich so ist. Verkehrsschilder aller Art sind hier eben nur als Vorschlag gemeint.
Aufgeteilt in Kleingruppen, erkunden wir heute noch verschiedene Ecken Roms auf eigene Faust. Da bietet sich doch ein Navigierkurs für Fortgeschrittene an, oder?
Tagesordnungspunkt 1: Eis essen.
Am Trevi-Brunnen darf man ja so gut wie gar nix mehr tun, ohne von der Polizei angepfiffen zu werden. Zum Beispiel am Boden sitzen.
Oder auf der Mauer sitzen.
Geld ins Wasser schmeißen darf man noch. Kommt schließlich dem Roten Kreuz zugute und verspricht einen nächsten Besuch in Rom.
Tagesordnungspunkt 2: Souvenirs kaufen.
Wohin geht's jetzt?
Zum Pantheon, wo wir eine Mittagspause einlegen und wieder Künstler beobachten.
Tagesordnungspunkt 3: Unterschriften sammeln auf einem gigantischen Luftballon, der auf der Straße unter den verschiedenen Ministrantengruppen weitergegeben wird.
Im Inneren des Pantheon, eines der am besten erhaltenen antiken Gebäude.
Von 126 bis 1591 n.Chr. war dies die größte Kuppel der Welt. Das Loch im Dach (9 Meter Durchmesser) ist die einzige Lichtquelle, wenn die Eingangstür geschlossen ist.
Blick von der Vorhalle auf die Piazza della Rotonda.
Auf der Piazza Navona treffen wir wieder auf Ordensleute, die uns Brausepulver und Gummibärchen in die Hand drücken. Sie laden uns in ihre Aufladestation in der Kirche Santa Maria dell'Anima ein. Dort gibt es Trinkwasser, Strom und ein deutsches, äh sauberes Klo...
Tagesordnungspunkt 4: bieseln, Flaschen auffüllen, Akkus laden, noch mehr Brausepulver sammeln.
Auf dem Weg zur Metro schauen wir die Engelsburg von außen an und sehen noch einmal den Petersdom.
Geschafft! Vor der Basilica San Paolo fuori le Mura treffen wir uns alle wieder. Die meisten sitzen unter Bäumen im Gras und chillen, bis es Zeit wird, hineinzugehen.
Pilger-Stillleben. Vielleicht hat ja die nächste Wallfahrt mal was mit Umweltschutz zu tun?
Wahrscheinlich die schönste der vier Patriarchalbasiliken Roms: San Paolo fuori le mura, in der der Abschlussgottesdienst für München-Freising stattfindet.
Reihenweise Dixi-Häusl, kostenloses Trinkwasser, Malteser Hilfsdienst in Sichtweite, Ruheplätze direkt vor der Kirche: Hier wird zuerst unseren körperlichen Befindlichkeiten Rechnung getragen, damit sich dann möglichst jeder auf den Gottesdienst einlassen kann. Wirklich gut gemacht!
Dann noch stimmungsvolle Beleuchtung und guter Sound. Endlich haben wir das Gefühl, dass etwas von der geistlichen Atmosphäre bei uns ankommt.
Zum Abschied ein Gruppenfoto mit Papst Franziskus. Und schon sitzen wir wieder im Bus nach Hause. Schön war's!